Porzellanherstellung in der Porzellanmanufaktur Augarten

Die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten

1718 gegründet, ist die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten die zweitälteste Europas. Heute wie damals wird jedes Stück im Herzen Wiens von Hand gefertigt und bemalt. Wiener Porzellan ist berühmt für seine zarte und anmutige Form, die Reinheit der Linien und die exquisite Ausarbeitung. Höchste Qualität und Perfektion in der Fertigung jedes einzelnen Stückes stehen in der Porzellanmanufaktur an erster Stelle.

Porzellanherstellung: Rohmaterial

Historisches Bild geformter Porzellanmasse

Historisches Bild geformter Porzellanmasse

So zart und doch so robust: Das Geheimnis um die Herstellung des Porzellans beschäftigte die westliche Welt seit Marco Polo im 14. Jahrundert die ersten Stücke aus China brachte. Es zu lüften erforderte wahrlich alchemistischen Spürsinn. Und doch sind lediglich drei „Zutaten“ nötig -Feldspat, Quarz und Kaolin – um feinstes Porzellan herzustellen. Jedoch, das Verhältnis macht’s!

Die zähflüssige Gussmasse für Stücke, die gegossen werden können, kann gleich verarbeitet werden. Die Drehmasse für Flachteile – wie beispielsweise Teller – muss einige Monate „mauken“ (reifen), um die ideale Konsistenz zu erlangen. Dabei erfordert die Bestimmung des richtigen Zeitpunktes für die Verarbeitung der Porzellan-Rohmasse viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Entwürfe und Formen

Anfertigung einer Gipsform für den Porzellanguss

Anfertigung einer Gipsform für den Porzellanguss

Anhand historischer Modelle und gezeichneter Entwürfe namhafter zeitgenössischer Künstler sowie Kreationen aus dem eigenen Haus wird zunächst in einem komplexen Um- und Angiessverfahren eine Arbeitsform aus Gips geschaffen. Für diese Arbeitsform selbst wird eine Abgussform aus einem speziellen Kunststoff gefertigt, da die Gipsform für die Porzellanteile nur bis zu 30 mal verwendet werden kann. Die Aufgabe des Gipses beim Formen und Gießen ist es, die Feuchtigkeit aus der Masse zu ziehen, damit das Stück trocknen kann. Der Gips und das feuchte Porzellan verbinden sich nicht miteinander, so kann das Porzellan mühelos ausgeformt werden. Nach circa 30 Abgüssen verliert der Gips die Fähigkeit das Wasser zu absorbieren zudem nutzt sich die Form mit jeder Verwendung ab. Auch sogenannte Brennhilfen (im Fachterminus: Pommsen) – Stützen unter anderem für komplizierte Figuren – werden in Formen gegossen. Da die vollständige Formgebung aus einer einzelnen Gipsform meist nicht möglich ist, müssen oft mehrere Teile gegossen oder per Hand geformt werden. Eine detailliert gestaltete Porzellanfigur wie ein Reiter der spanischen Hofreitschule etwa besteht aus rund 70 solcher Einzelteile.

Porzellanherstellung: Drehen

Drehen einer Porzellanschale auf einer Gipsform

Drehen einer Porzellanschale auf einer Gipsform

Alle runden, offenen Geschirr- und Ziergegenstände werden in der Dreherei gefertigt. Teller, Untertassen, Schüsseln, Schalen, etc. werden über der Gipsform gedreht, welche die innere Form bestimmt. Die äußere Form wird mit der Drehschablone erzielt. Nach einer Trocknungszeit von einigen Stunden reißt die Porzellanmasse exakt an der durch die Form bestimmten Kante, bzw. dem Tellerrand.

Porzellanherstellung: Gießen

Gießen eines Porzellan-Hohlteils in der Gipsform

Gießen eines Porzellan-Hohlteils in der Gipsform

Hohlteile und Figuren werden gegossen, das Verfahren, trockene Gipsformen mit Porzellanmasse auszugießen, nennt sich Schlickerguss. Sobald die flüssige Gussmasse – der Schlicker – in der Gipsform ist, saugt die trockene Form das Wasser an: Die Porzellanmasse verfestigt sich. Einige Minuten später wird die spezifische Dichte überprüft und der überflüssige Anteil an Schlicker ausgegossen. Mit der Dauer des Verbleibs der Porzellanmasse in der Gipsform kann die Dicke des Porzellangusses gesteuert werden.

Die Form wird geöffnet und die Rohware in noch feuchtem Zustand (Lederhart) vorsichtig herausgenommen.

Garnieren

Garnieren: Zusammenkleben von Porzellanteilen mit Porzellanmasse

Garnieren: Zusammenkleben von Porzellanteilen mit Porzellanmasse

Der nächste Schritt ist das „Garnieren“ oder im alten Begriff „Bossieren“, das Zusammensetzen der Einzelteile. Dabei werden die einzelnen Stücke der gegossenen oder gedrehten Rohware mit den ebenfalls gegossenen oder von Hand geformten Teilen mit zähflüssiger Porzellanmasse zusammengeklebt, verziert und zur endgültigen Form veredelt. Auch die Nahtstellen, die duch die Form selbst am Porzellanstück zu sehen sind müssen retuschiert (entfernt) werden. Selbst bei verhältnismäßig einfachen Formen, wie zum Beispiel bei Kaffeetassen, werden Henkel und Becher seperat geformt und anschließend garniert, also mit dem Becher zusammengefügt.

Erstes Brennen: Glühbrand

Erstes Brennen des Porzellans: Glühbrand

Erstes Brennen des Porzellans: Glühbrand

Durch das erste Brennen – den Glühbrand bei 930°C, der auch als „Biskuitbrand“ oder „Schrühbrand“ bezeichnet wird – erreicht die Rohware eine bestimmte Härte, ihre Oberfläche bleibt jedoch in einem porösen, rauen Zustand. Diese saugfähige Oberfläche ist die Voraussetzung für das Glasieren.

Signierung mit der Bodenmarke

Signierung des Porzellans mit dem ‚Bindenschild’-Stempel

Signierung des Porzellans mit dem ‚Bindenschild’-Stempel

Nach dem Glühbrand wird das Rohporzellan überprüft, entstaubt und der „Bindenschild“ – also das Firmenzeichen der Porzellanmanufaktur Augarten – mit kobaltblauer Farbe aufgestempelt. Dieses Zeichen, das Hauswappen der Babenberger, stammt aus der Zeit  Maria Theresias und wird seither als Markenzeichen der Wiener Porzellanmanufaktur eingesetzt. Es Die Bodenmarke der Porzellanmanufaktur Augarten befindet sich unter der Glasur, da sie nach dem ersten aber vor dem Glausrband aufgebracht wird und wird dadurch geschützt.

Glasieren

Glasieren der Porzellan-Rohware von Hand

Glasieren der Porzellan-Rohware von Hand

Alle Gegenstände werden per Hand glasiert. Die Glasur ist ein flüssiges Gemisch aus Quarz, Feldspat, wenig Kaolin und Dolomit. Die poröse Rohware saugt beim Eintauchen innerhalb von Sekunden die Glasur an und es bildet sich an der Oberfläche eine feine Glasurschicht. Henkel oder Knauf sowie Ränder und Kanten werden mit dem Pinsel präzise retuschiert. Von den Sohlenstellen (Fuß des Stückes) wird die überschüssige Glasur entfernt, um ein Festkleben an der Auflage (die sogenannte Pomse) zu verhindern.

Zweites Brennen: Glattbrand

Haupt- oder Glattbrand: zweites Brennen des glasierten Porzellans

Haupt- oder Glattbrand: zweites Brennen des glasierten Porzellans

Nach dem Glasieren kommt die Rohware zum Glattbrand, wegen der hohen Temperatur von 1380°C auch Hauptbrand genannt. Dort bekommt das Porzellan durch die hohe Temperatur eine sehr dichte, Oberfläche mit einer hauchdünnen Glasschicht – Glasur. Nach dem Abkühlen weist das Stück eine erstaunlich hohe Härte auf. Porzellan besitzt eine ähnliche Druckfestigkeit wie Stahl. Durch den Hauptbrand „sintern“ (schrumpfen) einzelne Stücke um bis zu 15%, das bedeutet, diese Verkleinerung muss bei der Herstellung der Form einberechnet werden.

Bemalen: Dekor und Dekorbrand

Aufglasurmalerei: die in der Porzellanmanufaktur Augarten bevorzugte Malereitechnik

Aufglasurmalerei: die in der Porzellanmanufaktur Augarten bevorzugte Malereitechnik

Bei Manufakturporzellan unterscheidet man drei Malereitechniken:

  • Aufglasurtechnik: die Farbe wird auf die Glasur aufgetragen.
  • Inglasurtechnik: die Farbe sinkt in die Glasur ein.
  • Unterglasurtechnik: die Farbe wird unter der Glasur aufgetragen.

Augarten wendet für seine Dekore die Aufglasurtechnik. Mit feinsten Pinselstrichen oder mit Zeichenfeder wird auf die bereits zweimal gebrannte weiße Ware Farbe aufgetragen. Diese Technik ermöglicht das feine, nuancenreiche und künstlerisch hochwertige Dekor, welches die lange Tradition der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten auszeichnet.

Für die Bemalung werden spezielle Farben verwendet, die durch den Dekorbrand bei 820°C mit der Glasur verschmelzen.

Die Glasbestandteile in der Farbe verbinden sich mit der Glasur und haften fest an der Porzellanoberfläche. Bei mehrfarbigen Dekoren sind bis zu sechs Zwischenbrände erforderlich, die das perfekte künstlerische Gesamtbild ermöglichen.

Die Malereitradition der Porzellanmanufaktur Augarten

Die Motive werden von den Künstlern nach Vorlagen gestaltet und von Hand bemalt auf das weiße Porzellan gemalt. Spezialisiert auf Dekor-, Figuren- oder Randmalerei übernehmen die Maler unterschiedliche Aufgaben. Jedes Stück wird durch den händischen Auftrag des Dekors zu einem  Unikat.

Bei den Porzellanmalern gibt es drei unterschiedliche Spezialisierungen:

  • Buntmaler (Blumendekore, Genreszenen, Landschafts- und Jagdmalerei)
  • Ränderer und Staffierer (Staffagen nennt man zum Beispiel Dekore auf Henkel)
  • Figurenmaler

Jeder Porzellanmaler hat seine eigene Nummer, die auf der Rückseite des neuen Porzellanprodukts von ihm aufgemalt und gleichzeitig signiert wird.

Gold und Farben

Oft erhalten die Farben erst durch das Brennen ihre Leuchtkraft und Brillanz. Um Gold zu erzielen, wird 24-karätiger Goldstaub in einer Säure aufgelöst. Durch den Brand entsteht ein matter Goldton, dererst nach dem Polieren mit Meeressand und Achatstaub seinen Glanz erhält.

Porzellanherstellung erleben

In den Seminaren und Workshops der Porzellanmanufaktur Augarten haben Sie die Möglichkeit, selbst die Figurenherstellung und Porzellanbemalung zu erleben. Auch für Kinder bieten wir im Kinderatelier zu verschiedenen Anlässen das beliebte Porzellanmalen an.

Einen direkten Eindruck von der Porzellanherstellung vermitteln wir Ihnen gerne auch in den regelmäßig veranstalteten Führungen und selbstverständlich im Porzellanmuseum Augarten.