Die neue Sonderausstellung des Porzellanmuseums im Augarten in Wien betrachtet die Solitude, das Dasein im Rückzug. Ob alleine oder zu zweit, die kleine Gesellschaft an sicherem Ort hat 2020 neue Bedeutung gewonnen. Blickt man in frühere Epochen, sind Zeiten des unvermeidlichen oder ersehnten Verzichts auf Unterhaltung im großen Rahmen keine Seltenheit. Die Gründe sind vielfältig. Von Pandemien und anderen Bedrohungen über die produktive Einsamkeit eines Genies bis hin zu den Erfordernissen der Etikette reicht das Spektrum. Das Prinzip der »self-isolation« war unseren Vorfahren nicht fremd. Alleinsein verband sich im 18. Jahrhundert oft mit einem Frühstück, wie bei Maria Theresia mit einer Tasse Milchkaffee, in relativer Schlichtheit. Relativ, weil Schönheit und Bedacht nicht ausgeschlossen blieben. In Frankreich wurde für Madame de Pompadour das »Déjeuner« aus Porzellan für die modischen Heißgetränke oder einfach als Augenschmaus erfunden. Auch in Wien entwickelte sich das kleine Frühstücksservice zum Bestseller.


Im Jahr 1922, erst kürzlich war die Spanische Grippe überwunden, begannen die ersten Arbeiten der neuen Porzellanmanufaktur im ehemals kaiserlichen Augarten, wo bereits 150
Jahre zuvor Kaiser Joseph II. am liebsten alleine unter den Müßiggängern spazierte. Die Manufaktur öffnete 1924 offiziell ihre Tore im Saalgebäude des Augartens und befasste sich mit ihrer unmittelbaren Gegenwart. In kleiner Gesellschaft trank man gerne mondänen Mokka, wofür Miniaturtässchen benötigt wurden, heute sind sie für den schnellen Espresso umgewidmet.


Während mit der Solitude oft Freiheit assoziiert wird, begleiten sie als unfreiwillige Einsamkeit auch weniger angenehme Gefühle. Psychologie und Philosophie erforschen die Nebenwirkungen der Pandemie, deren einziges Heilmittel, wie der Schriftsteller Daniel Kehlmann kürzlich sagte, leider darin liege, einander fern zu bleiben. Verbundenheit manifestiert
sich jetzt vielfach digital und ist dennoch manchmal enger als zuvor. Ein Zoom-Kaffee? Welche Tasse, warm vom Lieblingstee, hält man gerne in der Hand?