Das Porzellanmuseum

AKTUELLES

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DAS PORZELLANMUSEUM IM AUGARTEN

FREUT SICH AUF EIN WIEDERSEHEN AB 3. MAI 2021

Unsere aktuelle Sonderausstellung MY SAFE PLACE ist bis 8. Oktober 2021 zu sehen! 

 

Die neue Ausstellung EARTH + FIRE, kuratiert von Alice Stori Liechtenstein im südsteirischen Schloss Hollenegg for Design, beschäftigt sich mit dem Medium Keramik im Dialog unterschiedlicher Zeiten, Techniken, Ausdrucksformen und Intentionen. Keramische Ausstattungen des Schlosses sowie Porzellanservice und Dekorationen des 17. bis 19. Jahrhunderts treten in eine Konversation mit den Arbeiten der 22 Designerinnen und Designer der Gegenwart.

Zugleich zeigt die Künstlerin Marie Janssen im schlossnahen Wald das Entstehen einer Installation aus Keramik. Ihr Brunnen in Form einer (Ohr-) Muschel wird als Geschenk an die Gemeinde in seinem Herstellungsprozess zu sehen sein.

Die Porzellanmanufaktur Augarten und das Porzellanmuseum sind eingeladen, das  Winterspeisezimmer des Schlosses mit historischem Porzellan und zeitgenössischem Design zu bespielen. Die Skulptur Winter von Johan Creten und die Leuchter Charta von Studio Palatin stellen die Kraft des weißen Porzellans in den Mittelpunkt. Eine Deckelvase von 1755 mit plastischen Blüten holt, ganz im Sinn des Rokoko, die umgebende Natur und die Schlossgärten in das Interieur. Ein Tisch ist gedeckt, unter anderem mit Porzellandesign von Josef Hoffmann im Dialog mit Teilen des hauseigenen Services mit Liechtenstein-Dekor der Manufaktur Augarten, das mit gestreuten Gartenblumen nach einem Vorbild um 1730 bemalt ist.

Die Ausstellung findet ab Samstag, 15. Mai 2021 an drei aufeinander folgenden Wochenenden statt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in englischer Sprache.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, virtuellen Events und mehr unter www.schlosshollenegg.at

Teresa Berger/ Foto: Teresa Berger

Katie Stout/ Foto: Joe Kramm

DANIEL SPOERRI IM AUGARTEN

TABLEAU PIÈGE

Ein Augenblick des Lebens

Im Jahr 2016 schuf Daniel Spoerri (geb. 1930) ein Tableau piège im Rahmen der Ausstellung rund&bunt für das Porzellanmuseum im Augarten.

Anlässlich der aktuellen Schau im Bank Austria Kunstforum Wien (bis 27. Juni 2021) ist das Werk derzeit in den Räumlichkeiten des Shop der Porzellanmanufaktur, direkt im Wiener Augarten, wieder zu sehen.

Daniel Spoerri begründete die Eat Art, eine Bewegung der 1960er und 1970er Jahre, die Alltägliches mit seiner Über- und Unterbewertung zu Kunstwerken erhob. 1960 entwickelte Spoerri das Prinzip der Tableau pièges (piège, frz. für Falle), ein Thema das den Künstler bis unter verschiedensten Voraussetzungen beschäftigt.

Spoerris "Fallenbild" für das Porzellanmuseum im Augarten entstand in Kooperation mit Marina Yolbulur-Nissim, der damaligen Leiterin des Museums, die auch als Gast zu Tisch geladen war. Der Künstler entschied sich für eine eigene Auswahl von Teilen aus dem Mokkaservice MELONE, 1929 von Josef Hoffmann entworfen, um seine Gäste zu bewirten.

Ein Tableau piège bedeutet ein Spiel mit einem beliebigen Augenblick, die Spuren der Geselligkeit auf dem Tisch werden nach dem Verlassen der Gäste ungeschönt in die Position eines klassischen Tafelbildes gebracht. Vom flüchtigen Zufall in die "Falle" des Fixiertseins. Wörtlich und sinnbildlich ermöglicht diese Aktion eine neue Perspektive auf den Wert des Zufälligen, aber auch des Zyklischen aller Lebensäußerungen, wie des Kochens und Essens, des Lebens und des Vergehens. 

INTERNATIONALER FRAUENTAG 2021

#ChooseTheChallenge

Die Frauen der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten

Im Fotoarchiv der Manufaktur werden unzählige historische Portraits von Frauen der 1920er bis 1960er Jahre aufbewahrt, beim Gießen, Glasieren, Garnieren, Malen, Modellieren. Ein freundlich orchestriertes Miteinander, oft auch stille Konzentration. In manchen Zeiten des 20. Jahrhunderts hatte der Direktor das Sprechen in den Werkstätten verboten.

Bereits 1923 war eine ganze Reihe von Bildhauerinnen und Malerinnen an der neuen Porzellanmanufaktur Augarten beschäftigt. Ihre Ideen, Entwürfe und Modelle wurden mit der höchsten Sorgfalt der Arbeiterinnen und Arbeiter in Porzellan umgesetzt. Das Gelingen liegt noch heute in jeder einzelnen der am Herstellungsprozess beteiligten Hände.

Einige der Künstlerinnen hatten gerade ihre Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule abgeschlossen, andere bereits ein eigenes Atelier gegründet. Ein halbes Jahrhundert bevor Frauen ohne Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durften. Viele waren Mitglieder des Vereins bildender Künstlerinnen Österreichs bzw. des Vereins bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen sowie der Wiener Frauenkunst und nahmen regelmäßig an Ausstellungen teil.

Ena Rottenberg und Hertha Bucher, beispielsweise, stellten ihre Arbeiten, darunter auch Objekte die im Auftrag der Porzellanmanufaktur Augarten entstanden waren, im Jahr 1925 auf der wegweisenden Exposition internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris aus. 

Wie neu und wenig selbstverständlich diese Möglichkeiten waren, zeigt die Chronik der Frauenrechte.

1911 fand der erste Internationale Frauentag statt, erst 1918 wurde das  Frauenwahlrecht in Österreich etabliert. 1919 durften Mädchen an öffentlichen Gymnasien zugelassen werden, 1920 wurde der Gleichheitsgrundsatz in der österreichischen Bundesverfassung verankert, 1925 ein Referat für Frauenarbeit in der Arbeiterkammer Wien eingerichtet. Viele andere wichtige Reformen vertagten Politik und Ideologien auf Jahrzehnte.

Mathilde Jaksch gehört zu jenen Künstlerinnen, deren plastische Arbeiten eine starke Präsenz und das moderne Selbstverständnis ihrer Zeitgenossinnen zeigen. Ihre Figuren sind besonnen, mit hintergründigem Witz, sie tragen kurzes Haar und Hosen. Aus den Lebensdaten der Künstlerin ist nur das Geburtsjahr 1899 bekannt. Nur wenig mehr ist aus dem Leben Ena Rottenbergs überliefert, ihr umfassendes Werk ist charaktervoll expressiv. Auch die Geschichte der Entwerferin Elfriede Teufelhart (um 1929-2015), die der Manufaktur ein legendäres Design für ein Teeservice hinterließ, ist verloren. Sie war eine Kollegin von Ursula Klasmann (geb. 1930), die als Pionierin des Designs ab 1955 das ästhetische Steuerrad der Manufaktur übernommen hatte. 

Die Namen vieler Mitarbeiterinnen der Manufaktur sind vergessen. Zwar können vor allem den Namen der künstlerisch tätigen Frauen bestimmte Porzellanformen, Figurenmodelle und Dekore zugeordnet werden, aber Lebensgeschichten sind kaum erhalten. Umso mehr wird heute im Porzellanmuseum daran gearbeitet, die individuelle Handschrift und Sichtweise der Künstlerinnen, die das Gesicht der Produktion ihrer Zeit prägten, sichtbar zu machen.

Den Herausforderungen zu antworten galt ganz besonders für die Frauen nach und zwischen den Kriegen. Das keramische Fach wurde zunächst als unverfänglich und unauffällig, daher als für Frauen geeignet betrachtet. Das Gegenteil von Unscheinbarkeit bewiesen jedoch Künstlerinnen wie Vally Wieselthier (1895-1945) mit ihren internationalen Erfolgen, aber auch die vielen unbekannten Entwerferinnen, deren künstlerischer Nachlass von Innovation und Widerstand gegen alte Strukturen und Zweifel erzählt. Mit dem erstaunlich sprühenden, bunten Optimismus der selbst geschaffenen Freiheit.

#ChooseTheChallenge ist der Aufruf des Internationalen Frauentages 2021. Er hat Tradition.

Das Porzellanmuseum feiert!

Am 21. Juni 2011 wurde das PORZELLANMUSEUM IM AUGARTEN mit einem heiteren Sommerfest unter der Schirmherrschaft von Margit Fischer, der Gattin des damaligen Bundespräsidenten, feierlich eröffnet.

Seit zehn Jahren widmet sich das Museum in seinen Ausstellungen den unterschiedlichsten Themen der Kunst- und Kulturgeschichte, aber auch des Lebensgefühls der Vergangenheit und Gegenwart im Kontext des einzigartigen Materials Porzellan.

Entdecken Sie Geschichten zu besonderen Objekten aus unserer Sammlung oder erinnern Sie sich an die besten Ausstellungen der letzten zehn Jahre.

Für das Jubiläumsjahr haben wir eine oft gesehene Ikone der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten als Leitmotiv gewählt, um mit ihrer weniger bekannten Ursprungsgeschichte einen Schritt hinter die Kulissen des allzu Vertrauten anzuregen. Der vorausschauende Reiter und sein Pferd verbinden die Zeiten, sie passen zu uns.

Der Reiter und sein Lipizzaner werden Sie im Jahr 2021 immer wieder überraschen. 

ARIK BRAUER (1929 - 2021)

In memoriam 

ARIK BRAUER (Wien 4. Januar 1929 - 24. Januar 2021)

Als einer der seltenen Universalkünstler unserer Zeit war Arik Brauer Gründungsmitglied der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, aber auch Dichter, Musiker, Sänger, Bühnenbildner und kritischer Denker und Aktivist mit scheinbar grenzenloser kreativer Energie sowie ästhetischer und politischer Wachsamkeit. 

Seine Lebensgeschichte mit all ihren Härten und ihrem Glück hat Arik Brauer als Lehrmeisterin empfunden. Den Tod müsse man nicht fürchten, war sein Credo: "Der Tod ist ein farbenfroher, prächtiger Augenblick."

Für die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten schuf Arik Brauer 1988 einen Dekor in "Schönerblau" mit Figuren und Symbolen aus W. A. Mozarts "Zauberflöte", jener Oper der Aufklärung, für die Brauer 1975 im Auftrag der Opéra national de Paris Bühnenbilder und Kostüme entwarf. Die große Bodenvase bemalte der Künstler persönlich, ebenso den Teller für das Pessachfest mit fantastischen Wesen, der im selben Jahr entstand. 

"Musik ist die Zauberflöte der Menschheit", sagte Arik Brauer, sie kann Monster besänftigen, aber vielleicht nicht die schlimmsten. "Mozart weiß, dass ich mein ganzes Leben lang nach seiner Zauberflöte getanzt habe."

 

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