Das Porzellanmuseum

OBJEKTE & GESCHICHTEN

Hier finden Sie jeden Monat ein besonderes Objekt aus unserer Sammlung

DEZEMBER

WEIHNACHTEN IM ROKOKO

Bereits zu Beginn der Adventszeit wurden in den Kirchen Wiens, aber auch in den Hauskapellen Krippen aus Holz oder Wachs aufgestellt. Die bildliche Darstellung des Weihnachtswunders wurde ganz besonders von den Jesuitenorden gefördert, konnte doch durch die Betrachtung der berührenden Szenen eine tiefgehende Identifikation erreicht werden. Eine Idee, die im 18. Jahrhundert zu einer Blütezeit der Krippenkunst führte. Sehr beliebt waren auch "lebende" Krippenspiele, die jedoch 1762 von Maria Theresia untersagt wurden. Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist die Ankündigung einer großen Krippe, eigentlich eines Automaten mit "30 Maschinen" im Wiener Diarium (dem Vorläufer der Wiener Zeitung). Alljährlich wurde diese in den 1770er Jahren offiziell durch das Kaiserhaus gestiftete Installation von Anfang des Advents bis zum Beginn des Faschings in der Vorstadt Lerchenfeld zur Unterhaltung aller Bevölkerungsschichten aufgestellt. Man konnte auch einen exklusiv privaten Besichtigungstermin vereinbaren. Die "Maschinen" sorgten für bewegliche Bilder, die das Weihnachtsevangelium, sehr wahrscheinlich mit theatralischen Effekten, vorführten. 

Der Reformkaiser Joseph II. erließ 1782 ein Krippenverbot in den Kirchen, die kindliche Form der Anbetung stand nicht im Einklang mit dem Anspruch der Aufklärung. Der erneute Aufschwung der Krippenproduktion zielte nun auf kleine und intime Hauskrippen.

Das Porzellanmuseum im Augarten freut sich sehr, in dieser Adventszeit 2021 erstmals eine einzigartige Krippe aus Wiener Porzellan der Zeit um 1760/65 ausstellen zu dürfen. Die großzügige Dauerleihgabe aus einer Privatsammlung wird bis Ende Januar 2022 zu sehen sein und den Besucher*innen noch über viele weitere Winter im Augarten die gefühlvolle Atmosphäre des Rokoko vermitteln. 

Die Krippe besteht aus vier feinst modellierten Figurengruppen, die vielleicht einmal auch durch andere Szenen ersetzt wurden, um im Laufe des Advents unterschiedliche Szenen zu schildern. In den Museum News wird vor Weihnachten die ganze Krippe enthüllt.

NOVEMBER

TEA TIME

November. Pünktlich stellen sich die Nebeltage ein. Zeit, sich zu wärmen (nach einem Spaziergang durch den stilleren Augarten?). Time for tea?

Josef Hoffmann (1870-1956) entwarf 1929 verschiedene Teeservice für die Porzellanmanufaktur Augarten. Nachdem 1925 eine ganze Reihe von hochmodernen Mokkaservicen entwickelt worden waren, schien sich bald darauf ein besonderer Bedarf an zeitgenössischen Porzellanen für den Tee einzustellen. Das Wiener Salonblatt vom 20. Februar 1927 berichtet beispielsweise von verschiedenen Einladungen zum Fünf-Uhr-Tee in den diversen diplomatischen Residenzen oder den Salons der Stadt in Wien. So gab der deutsche Gesandte Hugo Graf Lerchenfeld mehrere "Fünf-Uhr-Tees, welche sich überaus brillant durch den äußerst zahlreichen Besuch der geladenen Gäste und der großen Liebenswürdigkeit der Gastgeber gestalteten." Im Haus des königlich-ungarischen Konsuls Baron Nagy fand hingegen "ein größerer Tee mit Bridge" statt. Besonders amüsant schien der "Fünf-Uhr-Tee dansant" gewesen zu sein, also Teestunde mit Tanz, den Gräfin Fedrigotti im Beisein Erzherzog Franz Salvators und einigen Erzherzoginnen gab. Der Erzherzog lud schließlich zu einem "musikalischen" Tee, während Gräfin Mary Coudenhove über vierzehn Tage lang "Fünf-Uhr-Bridgepartien" veranstaltete. Baronin und Baron von Seckendorff waren über den Verlauf ihrer Einladung zum Tanztee "in animierter Stimmung" sicherlich ebenfalls sehr erfreut. 

Welches Porzellan wurde dabei verwendet? Es ist leider nicht überliefert, aber sehr wahrscheinlich gab es die eine oder andere Einladung kunstsinniger Gastgeber in erfrischend modernem Ambiente, wie Josef Hoffmann es sich für die Gegenwart wünschte. 

Die Teetasse aus dem Service Form Nr. 19, mit geflammter Bemalung in Schwarz und Grautönen, dazu Henkel und eckige Füßchen in Rot, sowie eine schwarze Untertasse ist ganz und gar ein Design-Produkt ihrer Zeit. Zum 60. Geburtstag des Architekten und Universalgestalters Josef Hoffmann schreibt die Zeitschrift Moderne Welt im Dezember 1930, wie alles im "Herkömmlichen erstarrte" durch Hoffmann vollkommen neu belebt und aus dem Sinn des Materials heraus gestaltet wurde. Nicht nur dem Gebrauch sollten seine Entwürfe dienen, sondern dem ästhetischen Genuß, und damit einer Atmosphäre der Schönheit. 

OKTOBER

FESTGEZURRT

Wenn im Oktober die Stürme wehen, Drachen steigen und Boote auf dem Wasser schaukeln, erinnern Seile, Seemannsgarn und Schnüre an die beiden spektakulären Entwürfe der Künstlerin Grete (Margarete) Rader-Soulek. Ja, spektakulär! Der Entwurf (1920-1997) ist 1951 entstanden und beeindruckend avantgardistisch. Mit gestalterischer Sicherheit hüllt Rader-Soulek die schlichten, an chinesische Formen erinnernden Vasen der Form 683 in ein unregelmäßig gezogenes gelb-grün-rotes Netz oder wickelt Schnüre mit Quasten in  Purpur und Flaschengrün um die Vasenschulter. 

An der Wiener Kunstgewerbeschule war Grete Rader-Soulek in der Klasse von Oswald Haerdtl (1899-1959) ausgebildet worden. Der umfassende Designgedanke, den Haerdtl seinen Studierenden vermittelte, gab Absolventinnen wie Rader-Soulek alle Freiheit, Grenzen zu öffnen und Textiles mit Porzellan zu verbinden sowie Porzellandekor neu zu denken. Grafisch klar und doch malerisch großzügig zeigen sich ihre Entwürfe. Später war sie als Professorin der Tapisserie-Klasse der inzwischen zur Universität für angewandte Kunst avancierten Kunstgewerbeschule tätig.

AUGUST

Sonnenschirm und Fächer

Ein heißer Sommertag des Jahres 1931 inspirierte Ena Rottenberg (1893-1952) vielleicht zu dieser Szene: Zwei Gruppen mit jeweils vier Frauen in einem Garten, mit fließenden Tüchern bekleidet, unter sichtlich südlicher Sonne. Die Stimmung erinnert an das antike Arkadien, jene Landschaft des Peloponnes, die später als Mythos zu einem idyllischen Sehnsuchtsort verklärt wurde. 

Mit ihrem Monogramm ER signiert, zeigt das Detail den charaktervollen Pinselstrich der Künstlerin. Auffallend sind auch die mit wenigen Mitteln lebensvoll skizzierten Gesichtern mit ihren dunklen, pupillenlosen und doch ausdrucksstark blickenden Augen.

Die sicher gesetzten, zarten Konturen und die kraftvoll modellierenden Schattierungen führen die expressive Eigenständigkeit Ena Rottenbergs im Umgang mit den Schmelzfarben der Porzellanmalerei vor. Auch die Wahl der Farben unterscheidet ihre malerischen Arbeiten für die Porzellanmanufaktur Augarten von anderen zeitgenössischen Entwürfen. Als vielseitig versierte Malerin und Bildhauerin schuf sie nicht nur 125 Dekore (wie diesen Dekor Nr. 5484), sondern auch Figuren und eine Reihe von Formen, darunter Vasen und Service. Die hohe, schlanke Vase der Form 562 mit eleganter Silhouette, die dem Motiv als "Malgrund" dient, ist ein bis heute vollkommen überzeugender Entwurf der Künstlerin. 

Ena Rottenberg stammte aus dem Kronland Banat, aus dem ihre Eltern 1918 vertrieben wurden. Ena studierte bereits seit 1916 Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Wien (heute Universität für angewandte Kunst), zwischen 1923 und 1925 bei dem  Keramikkünstler Michael Powolny, der ebenfalls für Augarten Service entwarf. Sie lieferte unter anderem Design für die Wiener Werkstätte sowie die Firmen Friedrich Goldscheider und J. & L. Lobmeyr und arbeitete in vielerlei Materialien, von Porzellan und Glas bis zu Gobelins, Marmorskulpturen 

1931, als diese sommerlich idyllische Malerei entstand, schrieb die Journalistin Else Hofmann in einem Artikel über die Ausstellung Wiener Frauenkunst: "Köstliche Frische geht von den Glas- und Porzellanarbeiten der hochbegabten Ena Rottenberg aus." Ihre Entwürfe waren auf allen wichtigen Ausstellungen vertreten und die "wertvollen Impulse" der "stets ausgezeichneten Ena Rottenberg" als "Äußerungen eines künstlerischen Temperaments" geschätzt: "Ena Rottenberg denkt und empfindet durchaus modern".

JULI

STRANDVERGNÜGEN

Die schwerelosen Sommergefühle möchten festgehalten werden. "Unsere Zeit ist sonnenbedürftig", schreibt die Wiener Zeitschrift Moderne Welt im Juli 1932 und stellt verschiedene Modelle von Strandpyjamas aus einem neuartigen, lichtecht gefärbten Stoff vor, perfekt für den "Sonnenkult moderner Menschen".

Die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts als reformfreudige, experimentelle Epoche hatten Frischluft- und Körperkultur als Gesundheitsquell entdeckt. Sportliche Aktivitäten im Freien mit stilvoll bequemer Kleidung und unkompliziert kurzem Haar wurden zum Symbol einer neuen Weiblichkeit, die sich von Korsetts und engen gesellschaftlichen Grenzen entfernt hatte. Der Donaustrand oder die Adria sahen jetzt endlich heitere Schwärme von Ruderinnen, Schwimmerinnen und Seglerinnen in gestrickten Trikots und Hosenanzügen, eben dem Strandpyjama.

Die Porzellanfigur mit dem klingenden Titel "Strandvergnügen", 1930 von Mathilde Jaksch entworfen, trägt den zuvor viel diskutierten Strandpyjama mit  Selbstverständlichkeit und zeigt Ferienstimmung mit Sonnenhut und Wasserball im Arm. Ein wenig nachdenklich scheint sie zu sein. Jenseits des Sommers befand sich die Welt in einer Krise. Die Weltwirtschaft stand ebenso im Fokus wie die Gesellschaften im Umbruch, politische und ideologische Katastrophen inkludiert. Doch "Wochenend´und Sonnenschein" erhellten den Augenblick, auch die Freizeit war eine Erfindung der Golden Twenties.

Mathilde Jaksch entwarf nach ihrer Ausbildung in Gmunden und bei Michael Powolny an der berühmten Wiener Kunstgewerbeschule nicht weniger als 65 Figurenmodelle für die Porzellanmanufaktur Augarten. 1899 geboren, war sie bis 1963 als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Kleinskulptur aus Porzellan im Augarten tätig. Durch ihren virtuosen, zärtlichen Umgang mit dem fein zu modellierenden Material Porzellan gelang ihr selbst im kleinsten Format ein berührender Ausdruck und starke, individuelle Präsenz. 

JUNI

WANDERLUST

Wann, wenn nicht jetzt?

Das Spazierengehen ist eine Erfindung der Aufklärung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man, aus Lust und Freude durch Landschaften, über Berge, gar die Alpen zu gehen. Aber auch durch malerische Dörfer und über die eleganten Straßen großer Städte. Als nutzlos wurden die Spaziergänge freilich nicht angesehen. Der Mensch der Aufklärung suchte das erbauliche und lehrreiche Erlebnis, das neue Gedanken und Gefühle mit sich bringen konnte. Hinaus über den Tellerrand, auf der Suche nach Erkenntnis.

Vor dieser Begeisterung boomte das Geschäft mit Ansichten, vor allem im Bereich der Druckgraphik, die zu Alben gebunden oder in Reiseberichten und Reiseführern publiziert, ernsthaftes Reisen durch die Welt oder die Zimmerreise zu Hause in der Bibliothek ermöglichte.

Eine Serie von vier Vedutentellern aus der ehemaligen Kunstsammlung S.K.H. Emanuele Filiberto von Savoyen, des Herzogs von Aosta im Bestand des Porzellanmuseums im Augarten illustriert die Wanderlust des Biedermeier mit Sehenswürdigkeiten der kaiserlichen Residenzstadt Wien, die Karlskirche und der Josefsplatz, aber auch Sommerziele, wie Schloss Schönbunn und das  sensationell neuartige "Wellness"-Hotel der Biedermeierzeit, den Sauerhof in Baden bei Wien, in minutiöser Miniaturmalerei. Das Kurhotel Sauerhof und das links davon liegende Engelsbad sind 1822 entstanden, beide nach Plänen des berühmten Architekten Joseph Kornhäusel, der (unter anderem) das Stadtbild Badens mit seinem luftigen Klassizismus prägte.

Das Museumsteam nimmt Sie demnächst an dieser Stelle auf einen Stadt- und Landspaziergang mit, um die heutige Situation der um 1822 auf den Tellern dargestellten Gebäude zu  erkunden. STAY TUNED!

MAI

TRÄUMEREI

Im Mai blühen die Träume. Parks und Gärten werden ohne Furcht vor Frost bepflanzt, die Erfolge der Frühjahrssaat gehen auf. Die Schönheit der Natur ist ein Thema, das sich in der ostasiatischen Kunst auf besondere Weise entfaltet. Chinesische Gärten faszinierten die westliche Welt, seit der Missionar Matteo Ricci (1552-1610) über diese besondere, mit eigenen Augen bewunderte Kunstform berichtete. 

Ricci und seine Nachfolger erzählen von wundersamen künstlichen Gebirgen, von Labyrinthen, die Gartenwege länger erscheinen lassen, vom Spielen und Philosophieren inmitten blühender Haine, von Pagoden, Brücken und dem Gesang der Vögel. 

Der chinesische Garten wurde von dem englischen Landschaftsdesigner William Chambers (1726-1796) erstmals als Anleitung ausführlich beschrieben. Chambers konnte die Kunstgriffe und Überraschungseffekte der chinesischen Gärtner auf einer Reise in Ostasien selbst studieren. Die "lachende, fürchterliche und zauberische Scene" wird durch heitere Ausblicke, rauschende Bäche und dunkle Grotten oder durch die Klänge des Windes gestaltet. Es verwundert nicht, dass diese Schilderungen einer anderen, fernen und magischen Welt auch in Europa zu fantastischen künstlerischen Äußerungen führte. Die Mode der Chinoiserie  erfasste die Musik, die Literatur und die Dekoration der Interieurs. Selbst die kaiserliche Familie kleidete sich à la Chinoise. Es wird von einer Festtafel mit einer Pagode aus Porzellan als Tafelaufsatz berichtet, in Form des legendären Porzellanturms von Nanjing aus dem 15. Jahrhundert. 

Ein Dessertteller aus Wiener Porzellan von 1805 ist in der Art ostasiatischer Lacktafeln mit Gold und Platin dekoriert. Mit feinstem Pinsel schildert der Porzellanmaler Landschaftsgärten und erzählt Geschichten von Pavillons mit Glöckchen, von hohen Brücken über Ententeichen, von sorglosen Spaziergängern und freundlichen Begegnungen. Partien aus ziseliertem Goldrelief zaubern plastische Effekte und preziöses Glitzern auf den dunklen Grund des Tellers, der wohl nie zum Speisen sondern zum Betrachten und Staunen diente. Keine Gebrauchsspur ist zu sehen.  

APRIL

HINAUS INS GRÜNE

Zum Stadtbild Wiens um 1900 gehörten Französische Bulldoggen als Begleiter mondäner Damen auf ihren Spaziergängen durch die gepflegten Parks. Die kleinen, muskulösen und freundlichen Hunde stammen von der englischen Bulldogge ab, die schließlich in Frankreich mit den typischen hochstehenden Ohren weitergezüchtet wurde. Zu den Besitzern zählten Celebrities, Bühnenstars und gekrönte Häupter, wie die Hotelière Anna Sacher in Wien, der englische König Edward VII. mit seinem schwarzen "Frenchie" Peter, die russische Zarenfamilie und in der Folge die modebewusste Gesellschaft der Großstädte, bis weit in die Goldenen Zwanziger Jahre.

Der "Französische Bully" aus Porzellan ist eine Arbeit der Bildhauerin Karin Jarl (1885-1948) aus dem Jahr 1925. Unter der Modell Nr. 1544 registriert, gehört er zu den frühen Entwürfen der Wiener Künstlerin. Als Tochter des angesehenen schwedischen Bildhauers Otto Jarl (1856-1915) wuchs sie inmitten der vielseitigen und glanzvollen Künstlerkreise des Fin-de-Siècle auf. Ihr Vater studierte zwischen 1880 und 1884 an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Sein künftiger Schwiegervater und späterer Großvater Karin Jarls, der Architekt Friedrich von Schmidt, förderte den Porträtisten und Tierplastiker Otto Jarl, der übrigens auch der Porzellanmanufaktur in Meißen um 1905 Entwürfe lieferte.  Ottos Tochter Karin Jarl  (Jarl-Sakellarios nach ihrer Heirat mit dem Bildhauer Viktor  Sakellarios) war von den Ausdrucksmöglichkeiten der Tierplastik fasziniert und schuf selbst mehr als zwanzig Modelle für die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Unter ihren Entwürfen finden sich Jagdszenen, Pferde, eine amüsante Serie musizierender Tiere in der Art eines Tanzbar-Orchesters, eine Katze, ein naturalistisch ausgeführter Wüstenfuchs sowie eine Reihe von unterschiedlichen Hunderassen, darunter auch ein Dackel und Terrier. Franz Barwig lieferte der Manufaktur Augarten zur gleichen Zeit einige eindrucksvolle Tiermodelle.

Weniger bekannt ist Karin Jarls musikalische Laufbahn. Im Mai 1907 berichtete die Zeitschrift Sport und Salon von ihrem großen Talent und einem Konzertabend mit ihren  "meisterhaften Darbietungen am Klavier" sowie ihrem Auftritt im Wiener Musikverein: "Man lobte im allgemeinen ihre hervorragende Technik, den weichen schönen Anschlag, warme Empfindung und Selbständigkeit in ihrem Vortrag." Eigenschaften, die auch die feine Modellierung ihrer Tiermodelle und deren subtile Bemalung erklären. "Großzügig dekorativ" werden ihre Porzellane von Zeitgenossen beschrieben. Nicht zuletzt war es das "musikalische Feingefühl", wie der Kunstjournalist Armand Weiser 1925 schrieb, und die "musikalische Sinnlichkeit" des Wiener Porzellans (Robert Breuer, 1930), die der neuen Manufaktur im Augarten ihre Unverwechselbarkeit ermöglichte.

Foto: Bettina Fischer

März

FAHRT INS BLAUE

März, der Frühlingsmonat. Fernweh gehört dazu wie das Erwachen der Schmetterlinge (gestern wurde der erste im Augarten gesichtet). 

Blau spielt dabei eine Rolle. Wirkt doch der wolkenlose Himmel im Frühling weiter, höher, reiner als sonst. Und nicht ohne Grund weckt Blau Sehnsucht. Es ist die Farbe des Unbestimmten, des irgendwie geheimnisvoll Ungewissen. So wie die weite Ferne. 

Eduard Mörike schrieb "Frühling läßt sein blaues Band/ Wieder flattern durch die Lüfte" (Er ist´s, 1829) und die Literatur der Romantik nahm oft Bezug auf die Farbe Blau, nicht zuletzt in der blauen Blume, einem Sehnsuchts- und Liebessymbol. 

Weit ist es nicht zum Begriff der Fahrt ins Blaue, der schon in der Zeit des Biedermeier verwendet wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendete der bayerische Schriftsteller und Journalist Ludwig Ganghofer das Bild in seinem Lebenslauf eines Optimisten: "Und nun die Reise! Sie war bei mageren Taschen eine Fahrt ins Blaue und galt mir doch als Reise in eine Zukunft, in der ich schöne, leuchtende Berge des Lebens sah! Wien! Ich liebte Wien von der ersten Stunde an..."

Hildegarde Goldbach (1904-1987), eine der besten Entwerferinnen der Porzellanmanufaktur Augarten, schuf um 1932 ihre eigene Interpretation einer Fahrt ins Blaue (Modell Nr. 1673), die ganz dem Sinn für Humor ihrer Zeit entsprach.

In einem hölzernen Wagen, von einer unternehmungslustigen Gazelle gezogen, purzelt ein Knabe rückwärts, wohl vom Ruck und Wind der Fahrt aus dem Gleichgewicht gebracht. Erste frühlingsgrüne Blätter sind über den Sockel gestreut. Ein blaues Band bildet das Geschirr der Gazelle, der Wagen wird von einem Wolkengebilde in die Höhe gehoben. Oder fliegt das Gespann bereits über den grauen Wolken dahin? 

Die Gazelle ist eines der eleganten Tiere der Stilepoche des Art Déco, für ihre Grazie und Exotik bewundert und immer wieder Motiv der dekorativen Künste dieser Zeit. Und Fernweh auch hier.

Der Begriff der Fahrt ins Blaue wurde um 1930 in der Tourismus-Werbung populär, sie versprach damit einen erfrischenden Ausflug in die Freizeit. So wie das "Blaumachen" noch heute eine kurze Escapade vom Alltag bedeutet und seinen Ursprung im "Blauen Montag", dem unerlaubten Feiern der Handwerksgesellen früherer Jahrhunderte findet. 

Februar

FREUNDSCHAFT ODER LIEBE?

Der Schokoladenbecher und seine Untertasse wurden um 1796 mit Stiefmütterchen bemalt und entlarven sich bereits dadurch als Geschenk an eine Liebste oder einen Liebsten. Oder vielleicht doch an eine Freundin oder einen Freund? Stiefmütterchen, in diesem Fall Viola tricolor, das dreifarbige Veilchen, auch Dreyfaltigkeitsblume genannt, steht in der Blumensprache für die bescheidene, zurückhaltende Liebe. Einst auch als Denkblume bekannt, hier liegt die französische Bezeichnung Pensées für die Stiefmütterchen nahe. Pensées, die Gedanken, sprechen für sich und zeigen sich in der hintergründigen Darstellung des Medaillons auf der Schauseite des Henkelbechers. Auf einer Wippe sitzt Amor persönlich, von einer mit Blumen bekränzten Dame hoch in der Schwebe gehalten. Allerdings auf brüchiger Basis, den Überresten einer antiken Säule. Pfeil und Bogen Amors liegen außer der Reichweite des Liebesgottes auf der Erde. Neben der Dame weist ein Medaillon mit einem ligierten Monogramm MDG vielleicht auf den Empfänger dieser Gabe, ein zweiter Blumenkranz wird darüber gehalten. Ein Siegeskranz? Unter der Szene breitet sich ein Spruchband aus, 'L´amitié l´emporte'. Die Freundschaft siegt. Im Hintergrund des in verträumtem Sepia ausgeführten Miniaturgemäldes ist ein Vulkanausbruch zu erkennen. Wird hier doch mehr als Freundschaft geschenkt?

Das Ergebnis bleibt ein Geheimnis der Geschichte. Sicher ist, dass dieses Ensemble eine individuell komponierte Auftragsarbeit war, als Überbringer einer delikaten Botschaft. Ob es die ersehnte war? In jedem Fall bleibt noch ein Trost. Die heiße Schokolade, die in solchen Bechern getrunken wurde. In dieser Form eigentlich Trembleuse genannt, steht der Becher stabil in einem etwas höher gezogenen Ring inmitten der Untertasse. Der Zweck dieser Erfindung lag im Verhindern des Verschüttens eines süßen Tasseninhalts durch trembler, französisch für 'Zittern'. Gerne wurde die heiße Schokolade morgens getrunken, möglichst im Bett vor dem Aufstehen, oder gleich danach vor dem Toilettespiegel. Das Zurechtmachen dauerte lange und wurde durch unterhaltsame Gesellschaft verkürzt. Ein schüttfester Schokoladenbecher war dabei eine commodité, eine jener ungemein praktischen und zugleich charmanten Neuheiten des 18. Jahrhunderts.

Januar

EISLAUF

Über das glitzernde Eis der Donau zu gleiten gehörte im Wien des 18. Jahrhunderts zu den allerneuesten Vergnügungen des Winters, auf Schlossteichen und Donauarmen. Galante „Schleifer“ boten den Damen ihre Dienste beim Anlegen der Kufen an, während zahlreiche Publikationen die Kunst, Lust und Etikette des Eislaufens, aber auch die gesundheitlichen Vorzüge, aber auch das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit detailliert schilderten. Die Porzellanmodelleure der kaiserlichen Manufaktur nahmen diese aktuellen Themen in ihre Gestaltungen auf. Oft zeigen Allegorien des Winters höfische Paare oder einzelne Flaneure mit Schlittschuhen.

Die Porzellanmanufaktur Augarten nahm sich bei ihrer Gründung im Jahr 1923 vor, neben der Förderung zeitgenössischer Künste auch das Erbe der kaiserlichen Manufaktur fortzusetzen. Figurenmodelle des 18. Jahrhunderts, wie die zarte Schlittschuhläuferin aus dem Jahr 1924 mit ihrem wärmenden Muff, wurden nach historischen Modellen gestaltet. Die Staffierung orientiert sich an den Vorbildern des Rokoko, wie dem schlicht monochromen, hellen Purpur des Überkleides mit Pelzverbrämung und dem kleinen, in Eisenrot gemalten Mund. Die Dame scheint gerade ihre ersten Züge auf dem eisblauen Sockel zu wagen, wie der subtile Schwung ihrer Haltung abbildet.

Das erste Ausgangs-Fakturenbuch der Porzellanmanufaktur Augarten aus dem Jahr 1924 erwähnt eine ganze Reihe von Kundinnen und Kunden, in deren Bestell-Listen die Figur der Schlittschuhläuferin im Stil des Rokoko  aufscheint. Damals betrieb der Wiener Eislaufverein die größte Kunsteisbahn der Welt, nahezu 10.000 Mitglieder frönten dort dem populären Sport, darunter nicht wenige international bekannte Stars des Eistanzes. 

Eine von ihnen war Herma Szabó (1902-1986), sie trug bereits die "amerikanischen" Eislaufschuhe, Stiefel mit fest fixierten Kufen, die weitaus akrobatischere Bewegungen ermöglichten als die schlicht angeschnallten Kufen früherer Jahrhunderte. Mit der eigens entworfenen Sportkleidung war das letzte Hindernis beiseite geräumt, um den Frauen ihrer Zeit das Ausüben von professionellem oder einfach vergnüglichem Sport im Freien zu ermöglichen. Die dynamische Figur der Eistänzerin, um 1930 von Mathilde Jaksch modelliert, versinnbildlicht diesen modernen Zugang. Herma Szabó erhielt zwischen 1922 und 1927 mehrere Goldmedaillen, war 1924 in Chamonix Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin. Bereits ihre Mutter, Christa von Szabó, übrigens die Schwester Eduard Engelmanns, der die erste Kunsteisbahn in Wien gegründet hatte, war erfolgreiche Eistänzerin. Mit ihrem Kurzhaarschnitt und dem zeitgemäßen kurzen Tanzkleid könnte Mathilde Jaksch mit ihrer Eistänzerin durchaus die gefeierte Herma Szabó porträtiert haben.

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