Tradition im Herzen Wiens

Seit 1718 wird im Herzen Wiens „weißes Gold“ produziert – bis heute nach traditionellen Methoden.

Die Gründung

Im Mai 1718 legte ein kaiserliches Privileg den Grundstein für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte: Karl VI. verlieh Claudius Innocentius du Paquier für 25 Jahre das exklusive Recht, in Österreich und den Kronländern Porzellan herzustellen. Damit nahm in Wien die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas ihre Arbeit auf. Noch heute erinnert die Porzellangasse im 9. Wiener Gemeindebezirk an den ursprünglichen Standort der Manufaktur. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen entwickelte sich das Unternehmen künstlerisch zu höchster Blüte – das Porzellan aus dieser frühen Epoche ist bis heute weltweit begehrt.

1744 ging die Manufaktur dann in den Besitz von Kaiserin Maria Theresia über. Seitdem trägt jedes Stück den Bindenschild – einst das Wappen der Babenberger – als fälschungssichere Marke unter der Glasur. Sie fand großen Gefallen an „ihrem“ Porzellan und prägte es stilistisch durch eine Vorliebe für Figuren (Maria Theresia selbst liebte Verkleidungen, Masken und feierte gemeinsam mit ihrem Mann den Fasching ausgiebigst auf diversen Maskenbällen) und Rocaille Verzierungen. Viele neue Blumenmotive wurden entwickelt, nachdem das Kaiserpaar eine gewisse Vorliebe für Botanik hatte.

Von Maria Theresia zur „malerischen Periode“

Eine besondere Hochblüte erlebte die Wiener Porzellanproduktion unter der Direktion von Conrad Freiherr Sörgel von Sorgenthal. Diese Epoche ging als „malerische Periode“ in die Geschichte ein. Bedeutende Porzellanmaler wie Kothgasser, Nigg und Lamprecht schufen aufwendig gestaltete Werke von höchster Qualität. Die Formensprache orientierte sich an der Antike: Reliefgolddekore, Palmetten und Füllhörner schmückten klar gegliederte, elegant proportionierte Stücke. Neue internationale Aufmerksamkeit erlangte das Wiener Porzellan während des Wiener Kongresses 1814. Das „Weiße Gold“ fand Absatz in den Herrscherhäusern Europas und galt als Inbegriff von Eleganz und Repräsentation.

Biedermeier und Industrialisierung

Mit dem Biedermeier setzte jedoch ein Wandel ein. Die beginnende Industrialisierung veränderte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend: Kaiserliche Erlässe ermöglichten breitere unternehmerische Tätigkeit, Großindustrien entstanden und erschwerten zunehmend den Absatz handwerklich gefertigter Luxuswaren. Gleichzeitig hielt Porzellan Einzug in bürgerliche Haushalte und entwickelte sich vom exklusiven Prestigeobjekt zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Die Wiener Manufaktur reagierte darauf mit schlichteren Erzeugnissen. Aufwändig dekorierte Prunkstücke wurden immer seltener gefertigt.

Erleben Sie Kunsthandwerk im Augarten